Samstag, 10. Januar 2015

Missbrauch verhindern!



Bild: © Polizei-beratung.de
Auch in NRW ist der Missbrauch von Kinder und Jugendlichen alltäglich. Etwa 2 700 Fälle wurden seit 2008 jedes Jahr angezeigt. Studien gehen von weitaus mehr Opfern aus. 

Die polizeilich erfassten Fälle bilden das eigentliche Ausmaß des Missbrauchs jedoch bei Weitem nicht ab: Zu groß ist das Dunkelfeld, zu selten wird sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen angezeigt. Bedingt durch eine nahe Beziehung zum Täter hat das Opfer zudem oft nicht die Möglichkeit, auf den Missbrauch aufmerksam zu machen bzw. sich diesem zu entziehen. Die Polizeiliche Kriminalprävention hat daher im Frühjahr 2013 die bundesweite Kampagne „Missbrauch verhindern!“ ins Leben gerufen. 

Neben dem Aspekt der Strafverfolgung rückt die Kampagne auch die Bereiche Opferschutz und Opferhilfe in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Informationen hierzu erhalten Sie auf der Kampagnenwebseite Fakten und Tipps zum Thema. 

Trotz zahlreicher Informationen der Bevölkerung über sexuellen Kindesmissbrauch wird dieser verhältnismäßig selten polizeilich bekannt gemacht - vor allem, wenn der Missbrauch innerhalb der Familie oder innerhalb des Bekanntenkreises geschieht. Dies unterstreichen auch polizeiliche Erkenntnisse, denen nach zwei Drittel der Opfer ihre Täter kennen. Gründe für die mangelnde Anzeigenbereitschaft sind neben der Abhängigkeit des Opfers vom Täter auch die Angst der Angehörigen vor den Folgen einer Anzeige und einem damit verbundenen Gerichtsverfahren. Deshalb ist Mut zur Anzeige ebenso wichtig wie der Entschluss, Hilfe in Anspruch zu nehmen.  

Ob sexueller Kindesmissbrauch in der Familie, in der Schule oder durch Fremde geschieht, die Folgen dessen können das Leben eines Opfers erheblich beeinflussen. Kinder und Jugendliche können sich oft nicht allein vor sexuellem Missbrauch schützen, sie brauchen die Hilfe von Erwachsenen. Nicht nur Eltern und Erziehungsverantwortliche sind aufgefordert, Kinder vor sexueller Gewalt zu schützen, sondern alle Erwachsenen wie Lehrer, Trainer, Nachbarn oder Freunde.

Die Kampagne „Missbrauch verhindern!“ unterstützt Erwachsene bei dieser schwierigen Aufgabe. Die Polizei informiert in Kooperation mit der Opferschutz-organisation WEISSER RING e. V. konsequent über sexuelle Gewalt an Minderjährigen. 

Diese Internetseite vermittelt wichtige Informationen über das tatsächliche Ausmaß des Missbrauchs, Täterstrategien oder über Anzeichen für Missbrauch. Durch diese Hinweise sollen Erwachsene in die Lage versetzt werden, Missbrauch zu erkennen, zu unterbrechen und Betroffenen zur Seite zu stehen. Ein wichtiger Teil des Opferschutzes ist auch eine Anzeige des Missbrauchs bei der Polizei. Deswegen enthält die Internetseite vielfältige Hinweise über die Arbeit der Polizei von der Anzeigenerstattung bis zur Gerichtsverhandlung. 

Sexuelle Übergriffe auf Kinder gehören zu den gravierendsten Verbrechen und müssen konsequent verfolgt und geahndet werden

Mit den fünf Schritten der Kampagne „Missbrauch verhindern!“ will die Polizei Erwachsene stärken, damit sie Kinder schützen können. 

1. Schützen Sie Kinder durch Ihr Wissen.
Informieren Sie sich über Fakten und Risiken - Unkenntnis begünstigt Missbrauch.

2. Schützen Sie Kinder durch Ihre Offenheit.
Machen Sie Missbrauch nicht zum Tabuthema - damit helfen Sie Opfern, sich anzuvertrauen.

3. Schützen Sie Kinder durch Ihre Aufmerksamkeit.
Oft gibt es Signale für Missbrauch - seien Sie aufmerksam.

4. Schützen Sie Kinder durch Ihr Vertrauen.

Vertrauen Sie den Aussagen von Kindern. Kinder erfinden selten eine an Ihnen begangene Straftat.

5. Schützen Sie Kinder durch Ihr Handeln.
Kümmern Sie sich um betroffene Kinder, holen Sie sich Hilfe und erstatten Sie Anzeige. 

Kinder können den sexuellen Missbrauch nicht beenden, sie brauchen die Hilfe von Erwachsenen.

Zur Kampagne gehören Plakate, die die Kernbotschaften der Kampagne transportieren, sowie eine Internetseite, die Erwachsenen erste Informationen über diesen Themenbereich an die Hand gibt. Zur vertiefenden Information steht eine Broschüre für Erwachsene, insbesondere Eltern und Erziehungsverantwortliche, zur Verfügung. Die Medien sind kostenlos bei (Kriminal-)Polizeilichen Beratungsstellen erhältlich und zum Download eingestellt. 

Bildmaterial zur Kampagne erhalten Sie unter www.missbrauch-verhindern.de

http://www.polizei-beratung.de./presse/infografiken.html