Donnerstag, 20. Oktober 2016

Betrugsversuch im Internet






Ein Bericht von Karl-Heinz Beier


Sein Englisch war schlechter als meins. Trotzdem gab er an, mich von London aus anzurufen und im Dienste der Firma Windows zu stehen. Er behauptete weiterhin, James Bryan zu heißen und die Mitarbeiterkennnummer „JB07“ zu besitzen. Als Grund seines Anrufs gab er an, die Firma Windows habe festgestellt, dass mein Computer mit einem so genannten Trojaner infiziert ist. Er sei nun beauftragt, mir dabei zu helfen, diesen zu beseitigen, bevor der Trojaner großen Schaden auf meinem Computer anrichten könne. Dummerweise hatte mir mein PC in der Tat wenige Tage zuvor tatsächlich ein Problem gemeldet und einige Anwendungen liefen nicht mehr reibungslos. 

Klug, wie so ein Computer nun mal ist, meldete er mir das, indem er nach dem Einloggen ein Fenster aufklappte, in dem geschrieben stand, es gebe irgendein Kommunikations-problem mit einem Windows-Dienst. Aber dumm, wie ich nun einmal bin, konnte ich mit diesem Hinweis nicht wirklich etwas anfangen. Da das Nötigste immer noch problemlos lief, hatte ich mich zunächst nicht weiter darum gekümmert. Mit dem Anruf des vermeintlichen Mr. Bryan sollte sich das aber schlagartig ändern. Der Helfer in der Not wollte mir zunächst zeigen, wie viele Fehlermeldungen und Warnungen mein Computer bereits produziert. Dazu ließ er mich mit kruden englischen Worten diverse Kommandos auf dem PC ausführen. Da es mir aber offensichtlich nicht gelang, die Probleme zu lösen, wollte er mir ganz gezielt helfen, indem er sich selber auf meinen Computer einloggt und dann die Maus dorthin bewegt, wohin er meint, dass es richtig wäre. 

Nun hatte ich dieses Verfahren schon einmal vor Jahren bei meinem Einkommensteuer-programm kennengelernt, als ich nicht mehr weiter kam und beim Hersteller des Programms anrief. Der hatte sich dann mit einer nur für eine Sitzung gültigen Code auf meinem PC angemeldet und das Problem beseitigt. Aber da war ich der Auftraggeber und wusste, mit wem ich sprach. Hier nun wurde mir die Sache aber zu heiß und ich brach die Sitzung ab mit dem Hinweis, ich müsste wegen eines anstehenden Arzttermins aufhören. Offenbar war aber mein Gesprächspartner nicht zu seinen gewünschten Erkenntnissen gelangt, denn er wurde ganz nervös und fragte, wann wir unser Gespräch fortsetzen könnten. Ich bot ihm den Vormittag des nächsten Tages gegen 10 Uhr an. Und tatsächlich: kurz nach 10 Uhr klingelte das Telefon und Mr. Bryan meldete sich erneut. Dieses Mal aber gab ich ihm sofort zu verstehen, dass ich auf seine Hilfe verzichte, und legte auf. 

Es klingelte danach noch drei Mal, so dass ich den Hörer neben das Telefon legte. Zwischenzeitlich hatte ich mich bei Freunden und Leuten vom Fach erkundigt. Natürlich war dies ein Betrugsversuch, der mir schon hätte glasklar sein müssen, als sich Herr Bryan als Mitarbeiter von Windows vorstellte. Das ist aber nur das Betriebssystem der Firma Microsoft, bei der er eigentlich hätte angestellt sein müssen. Wie dem auch sei, mittlerweile habe ich gehört, dass ich kein Einzelfall bin. Einer meiner Freunde hatte wenige Tage zuvor einen solchen Anruf erhalten. Und in einem Regionalteil der Rheinischen Post war von weiteren Fällen die Rede, die auch der Polizei gemeldet wurden. Allerdings  ist allen bis auf den heutigen Tag nicht so recht klar, was Herr Bryan wie erreichen wollte. Klar ist jedoch eines: Wenn man die Anrufer nicht kennt, sollte man möglichst sofort wieder auflegen. Und mein Computer? Bei dem habe ich ein Programm zur Selbstreinigung aufgerufen und ihm anschließend eine neue Antiviren-software spendiert. Jetzt läuft er wieder anstandslos.