Sonntag, 8. Februar 2015

Gewaltbereiter Salafismus versus Präventionsprojekt „Wegweiser“



Nach den Erkenntnissen des Verfassungsschutzes leben zurzeit in NRW rund 1500 extremistische Islamisten. Damit sie keinen Zulauf bekommen, wurde im März 2014 u.a. der Verein „Wegweiser e.V.“ gegründet. Wie in anderen EU-Staaten und Bundesländern ist auch in NRW die Tendenz weiter steigend. Deshalb sollen insbesondere die jungen Menschen über die Gefahren der Szene aufgeklärt werden. Dazu hat das Land gemeinsam mit Kooperationspartnern in Bochum, Bonn und Düsseldorf das Präventionsprogramm „Wegweiser“ initiiert. „Wegweiser“ bietet kompetente Beratung und konkrete Hilfen im Alltag für Jugendliche und junge Erwachsene sowie für deren Umfeld. Denn die Bekämpfung des Salafismus muss bei den Ursachen ansetzen und ist deshalb eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Weitere Anlaufstellen von „Wegweiser“ sollen in NRW folgen.

Das Präventionsprojekt „Wegweiser“ ging im März 2014 an den Start. „Ziel ist es, den Einstieg junger Menschen in die gewaltbereite salafistische Szene zu verhindern“, erklärte NRW-Innenminister Ralf Jäger bei der Eröffnung der Anlaufstelle des Wegweiser e.V. in der Düsseldorfer Innenstadt.

Wegweiser leistet passgenaue und unmittelbare Hilfe. Persönliche Betreuer vor Ort „weisen den Weg“. Sie analysieren die individuelle Situation und koordinieren die nächsten Schritte hin zu einem konkreten Hilfsangebot. Dabei arbeiten sie vertraulich. Wegweiser startete außerdem in Bochum und Bonn. Weitere Kommunen werden hinzukommen.

„Wegweiser ist als umfassendes Präventionsprogramm konzipiert“, erläuterte der Minister. „Es setzt früher an und wirkt breiter als ein Aussteigerprogramm. Wegweiser nimmt die Ursachen in den Blick. Wir setzen alles daran, junge Menschen davor zu bewahren, in die Radikalisierungsfalle zu laufen.“

Das vom NRW-Innenministerium initiierte Präventionsnetzwerk wird de-zentral vor Ort umgesetzt. Basis des Projektes ist die effektive Vernetzung der lokalen Akteure. „Dieses Vernetzen ist notwendig. Wir entwickeln für gefährdete Jugendliche individuelle Auswege aus den unterschiedlichsten Problemlagen“, so Jäger. Netzwerkpartner sind neben lokalen Vereinen und Initiativen auch die örtlichen Jugend- und Sozialämter, städtische Integrationsstellen sowie Vertreter der Sozialverbände, Moscheegemeinden, der Familienberatung, der Jobcenter und der Polizei.

Alle Netzwerkpartner kooperieren auf Augenhöhe. Ihre Hilfsangebote sind umfassend. Hilfe bei schulischen Problemen gehört ebenso dazu wie psychologische Beratung oder Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche. Wichtig ist auch der religiöse Dialog mit den Moscheegemeinden. „Es geht um junge Menschen, die religiöse Antworten auf ihre Fragen suchen. Wegweiser akzeptiert religiöse Überzeugungen, aber keine Gewalt zur Durchsetzung extremistischer Ziele“, betonte Jäger. Gleichzeitig stellte er klar: „Die große Mehrheit der hier lebenden muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger verurteilt den gewaltbereiten Salafismus.“

Wegweiser richtet sich auch an das Umfeld der betroffenen Jugendlichen. „Eltern, Geschwister, Freunde und Lehrer erkennen meist zuerst, wenn sich jemand verändert. Ihnen bietet der Betreuer von Wegweiser schnelle und umfassende Beratung“, erläuterte der Minister.

Für den NRW-Innenminister steht fest: „Der Kampf gegen extremistischen Salafismus wird die Sicherheitsbehörden über Deutschland hinaus weiterhin vor große Herausforderungen stellen. Die Zahl extremistischer Salafisten steigt an. Wir müssen die jungen Menschen erreichen, bevor extremistische Salafisten sie mit scheinbar einfachen Antworten in die Radikalisierungsfalle locken“.

Weitere Informationen unter:

Verfassungsschutz Nordrhein- Westfalen