Mittwoch, 11. Juni 2014

Täter nutzen Hilfsbereitschaft älterer Menschen aus


Die Maschen sind bekannt - und trotzdem haben die Täter immer wieder Erfolg. Vor allem ältere Menschen werden gezielt als Opfer von Trickbetrügern ausgewählt. Wenn der freundliche junge Mann an der Tür um ein Glas Wasser bittet oder die angeblichen Mitarbeiter der Wasserwerke vorbeischauen, sind Senioren oft zu gutgläubig. 


Auf den sogenannten Enkeltrick fallen ältere Menschen immer wieder herein. Der Täter gibt sich am Telefon als Enkel aus, der dringend Geld benötigt. Er schickt einen Freund vorbei, um das Geld - meist eine größere Summe - abzuholen. Für den Enkeltrick suchen die Täter im Telefonbuch gezielt nach altmodischen Vornamen. In Betrügerkreisen werden aber auch Telefon-CDs weitergereicht, in denen das Alter der Teilnehmer gespeichert wurde.

Die Polizei warnt dringend davor, Bargeld an Fremde auszuzahlen. Geben Sie keine persönlichen Daten heraus oder Informationen über die familiäre oder finanzielle Situation. Wer unsicher ist, sollte das Telefonat beenden und bei der Familie nachhaken, ob die Geschichte so stimmt. Wenn Ihnen etwas seltsam vorkommt, sollten Sie sich in jedem Fall an die Polizei wenden.


Der Trick mit dem Wasserglas

Ein weiterer beliebter Trick: Jemand gibt vor, beim Nachbarn etwas abgeben zu wollen und bittet um einen Zettel, um eine wichtige Nachricht zu hinterlassen. Um den Zettel zu holen, muss das Opfer in die Küche und der Täter folgt in die Wohnung. Während die Tür weiterhin offen steht, kann ein Komplize die anderen Zimmer durchsuchen. Ähnlich funktioniert die Masche mit dem Wasserglas. Dabei agieren die Täter psychologisch geschickt: Häufig war der freundliche junge Mann kurz zuvor beim Tragen der Einkaufstasche behilflich. Wenn er wenige Minuten später an der Haustür um ein Glas Wasser bittet, will man ihn nicht abweisen.Die Betrüger bauen auf Hilfsbereitschaft und Höflichkeit. Bei älteren Menschen kommt noch hinzu, dass sie häufig allein sind und sich über den Besuch an der Tür freuen.

Opfer ausspioniert

Häufig haben die Betrüger ihre Opfer vorher beobachtet. Nicht selten kommen sie nach einem Bankbesuch oder dem Einkauf an die Haustür. Da lässt sich leicht ausmachen, dass Handtasche und Portemonnaie noch in der Küche liegen.
Beute meist für immer verschwunden

Wenn die Täter erfolgreich waren und Schmuck, Geld oder sonstiges Diebesgut erbeutet haben, ist die Chance sehr gering, die Sachen wiederzubekommen. Es handelt sich um organisierte Banden, vielfach aus Osteuropa. Sie gehen arbeitsteilig vor: Einer ist für die Kommunikation mit den Opfern zuständig, ein anderer passt auf, der nächste holt das Geld.

Zum einen agieren die Täter überregional, halten sich also nur kurze Zeit in einer Stadt auf. Zum anderen behalten sie die Beute nicht lange. Bei Goldschmuck etwa werden Steine herausgebrochen und das Gold eingeschmolzen. Opfer von Trickbetrügern sollten auf jeden Fall zur Polizei gehen und unbedingt Anzeige erstatten. Eine Anzeige kann zumindest helfen, andere vor Schaden zu bewahren. „Auch Wochen nach dem Ereignis kann das noch hilfreich sein“, weiß Tanja Horn von der Polizei Essen.

Misstrauen ist angebracht

Lassen Sie niemanden in die Wohnung, den Sie nicht kennen oder der sich nicht vorher schriftlich angekündigt hat. Wenn Handwerker ins Haus kommen, läuft das normalerweise über den Vermieter oder die Hausverwaltung und wird rechtzeitig bekannt gegeben. Bewahren Sie keine größeren Geldbeträge zu Hause auf! Installieren Sie eine Türkette, die Sie immer vorgehängt haben sollten. Vergewissern Sie sich mit einem Blick durch den Spion, wer vor der Türe steht. Sprechen Sie im Zweifelsfall durch die geschlossene Tür, etwa wenn Sie keine Kette haben.Wenn jemand nach einem Glas Wasser oder einem Zettel fragt, können Sie ruhig weiterhelfen. Sie sollten den Bittsteller jedoch auffordern, draußen zu warten und in dieser Zeit die Türe schließen. Wer jemanden in seine Wohnung gelassen hat und nun doch ein ungutes Gefühl bekommt, sollte den Fremden sofort bitten, die Wohnung zu verlassen.

Dunkelziffer ist hoch

Viele Opfer merken erst spät oder teilweise gar nicht, dass ihnen etwas fehlt. „Viele ältere Menschen schämen sich aber auch einfach, dass sie einem Betrug aufgesessen sind“, sagt Tanja Horn. Sie verschweigen es ihren Angehörigen, damit diese nicht merken, dass man alleine nicht mehr so gut zurechtkommt. „Wir erleben sehr häufig, dass sich gerade ältere Menschen nach einem Betrugsfall in den eigenen vier Wänden nicht mehr wohl und sicher fühlen“, berichtet Horn von ihrer Arbeit bei der Polizei Essen. Es sei wichtig, Eltern und Großeltern aufzuklären und über die bekannten Maschen zu informieren.




Einige Trickbetrüger geben sich als Polizisten aus, rufen an und kündigen eine Spurensicherungen wegen eines vermeintlichen Einbruchs an. So kommt der Täter zum Opfer in die Wohnung und lässt sich Geld und Schmuckverstecke zeigen. Entweder nimmt der Täter dann die Sachen mit - angeblich um Spuren zu sichern - oder steckt sie unbemerkt ein.