Mittwoch, 31. Juli 2013

Verträge am Telefon - Seniorenbeirat, Polizeilichen Kriminalprävention und Verbraucherzentrale informieren

Georg Jungbluth
Zur Vorsicht bei telefonischen oder online erstellten Verträgen oder Vertragsverlängerungen, rät Georg Jungbluth, der für die öffentlichkeitsarbeit des Seniorenbeirates zuständig ist. „Wenn Sie so eine Offerte telefonisch oder per E.Mail angeboten bekommen, lassen sie sich die Unterlagen in jedem Fall schriftlich zu senden und geben Sie vorher keine Zusage: „Kontrollieren und prüfen sie es sehr genau bevor Sie irgendetwas unterschreiben und gegebenenfalls zurück senden.“ „Es ist für ältere Menschen oft sehr schwierig einen telefonisch abgeschlossenen Vertrag ohne Hilfe der Verbaucherzentrale oder eine Rechtsanwalt wieder zu annullieren“, so Jungbluth. 
  
Telefonisch abgeschlossene Verträge können rechtswirksam sein!
 
(*) Bei den Verbraucherzentralen gehen seit Jahren entsprechende Beschwerden ein. Obwohl Werbeanrufe ohne die ausdrückliche Zustimmung des Angerufenen verboten sind, können am Telefon durch mündliche Zustimmung rechtswirksame Verträge zustande kommen. Daher sollte man die zugeschickten Unterlagen genau anschauen und allgemeine Geschäftsbedingungen sowie Widerrufsbelehrungen lesen. Georg Jungbluth empfielt, jedoch -wie auch die Verbraucherzentralen - am Telefon grundsätzlich keine Verträge abzuschließen und auch der Zusendung von Probepackungen nicht zuzustimmen.  

Legen Sie einfach auf! 

Manchmal darf man auch unhöflich sein: „Legen Sie bei unerwünschten Werbeanrufen einfach auf“, empfiehlt Kriminaloberrat Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention des Bundes und der Länder. Viel zu oft stimmen Verbraucher aus Gutmütigkeit der Zusendung von Probepackungen günstiger Nahrungsergänzungsmittel zu – und wundern sich, wenn sie wenig später eine gesalzene Rechnung im Briefkasten finden. Mit Erhalt der Probe werden den meist älteren Adressaten Abonnement-Verträge mit Mindestlaufzeiten von bis zu einem Jahr untergeschoben. Wer den Vertrag nicht innerhalb von 14 Tagen schriftlich widerruft, wird regelmäßig mit Ginkgo- oder Fischölpräparaten „zum Vorzugspreis“ beliefert. Die dubiosen Anbieter suchen in Telefonbüchern gezielt nach Vornamen, die überwiegend Senioren tragen. „Die Polizei empfiehlt, den Vornamen auf den Anfangsbuchstaben kürzen zu lassen“, sagt Schmidt. „Vorsichtig sollte man auch bei der Herausgabe der privaten Telefonnummer sein und nie deren Nutzung zu Werbezwecken zustimmen.“ Besonderes Misstrauen sei angebracht, wenn die Rufnummer unterdrückt ist oder der Anrufer gar nach der Kontonummer fragt. In dem Fall rät Schmidt, Datum, Uhrzeit, Grund des Anrufs und – falls bekannt – Namen und Rufnummer des Unternehmens zu notieren und sich an die örtlche Verbraucherzentrale oder die Bundesnetzagentur zu wenden. Diese verfolgt Rufnummernmissbrauch und unerlaubte Telefonwerbung.  

Und wenn der Vertrag bereits abgeschlossen wurde? 

„Dann sollten Sie den Sachverhalt von der zuständigen Verbraucherzentrale prüfen lassen“, empfiehlt Schmidt. Christiane Manthey von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bestätigt: „Wenn Sie nicht schriftlich über Ihr Widerrufsrecht belehrt wurden, können Sie den Vertrag jederzeit widerrufen.“ Aus Beweisgründen sollten Widerrufserklärungen per Einschreiben versandt werden. Das verursacht aber zusätzliche Kosten. „Daher fordern wir seit Jahren, dass der Verbraucher telefonisch abgeschlossene Verträge schriftlich bestätigen muss“, sagt Manthey. „Das ist derzeit nicht vorgeschrieben.“

(*) Teilweise Auszug von Barbara Kandler-Schmitt / Apotheken Umschau; 03.04.2013